Interview: Frau Glückert über den Besuch der Sosolya-Tanzgruppe aus Uganda

Die AG Schülerzeitung hatte heute einen besonderen Gast zum ersten Live-Interview. Familie Glückert hat beim Besuch der Sosolya-Tanzgruppe aus Uganda den siebzehnjährigen Eric beherbergt. Frau Glückert hat uns besucht, um von ihren Eindrücken zu berichten.

 

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Guten Tag, Frau Glückert. Schön, dass Sie gekommen sind. Könnten Sie sich kurz vorstellen?

Mein Name ist Conny Glückert, ich wohne in Steinbach und habe zwei Jungs hier auf der IGS Eisenberg.

Unsere erste Frage an sie ist, wie Sie von dem Projekt (Besuch der Sosolya-Tanzgruppe an der IGS Eisenberg) erfahren haben und was sie davon halten?

Erfahren habe ich von dem Projekt bei der Schulelternbeiratssitzung. Dort wurde das Projekt vorstellt und ich habe erfahren, dass noch nicht alle ugandischen Teilnehmer eine Unterkunft hatten. Ich fand die Idee sehr gut und deshalb haben wir das Projekt auch unterstützt.

Wie schätzen Sie die Erfahrung ein, einen ugandischen Gast aufgenommen zu haben?

Das war einfach super und eine tolle Erfahrung. Es war auch überhaupt nicht schwierig Eric bei uns aufzunehmen und wir würden es auch jederzeit wieder tun.

Warum haben sie das Projekt unterstützt?

Weil wir gehört haben, dass noch nicht alle Kinder für diese Woche ein Zuhause hatten und wir den Kindern und Jugendlichen ihren Besuch hier bei uns in einem schönen Zuhause ermöglichen wollten. Dazu kommt, dass wir Afrika lieben: Mein Mann hat in Südafrika gearbeitet, aber über Ostafrika wussten wir kaum etwas. Daher fanden wir es spannend, dass die Gruppe um Eric aus dem ostafrikanischen Uganda kommt.

Was haben Sie während dieser Woche über Eric erfahren?

Wir haben über Eric erfahren wie er in Uganda lebt, wie er als Kind aufgewachsen ist und welche Pläne er für die Zukunft hat. Außerdem, dass er ein sehr netter, lebenslustiger Jugendlicher ist.

Wie ist Eric denn aufgewachsen und wie sehen seine Zukunftspläne aus?

Eric ist in den ersten Jahren seiner Kindheit bei seinen Eltern aufgewachsen, hat aber auf sehr engem Raum gelebt und auch nicht immer Zugang zu Nahrung und Wasser gehabt. Zu Sosolya ist Eric gegangen, um dort eine Unterkunft, Essen und Trinken zu bekommen – also eigentlich gar nicht wegen der Musik- und Tanzangebote, die Sosolya bietet, sondern eher, um regelmäßige Mahlzeiten zu bekommen.

Also ist das Sosolya-Projekt für Eric und viele andere Jugendliche auch ein Weg aus der Armut?

Ich glaube, dass es für sehr viele Kinder und Jugendliche eine Chance aus der Armut ist. Es werden auch Kinder von der Polizei bei Sosolya abgegeben, die auf der Straße aufgelesen wurden, nichts zu Essen haben oder misshandelt wurden. Für diese Kinder ist Sosolya die Chance auf ein behütetes Zuhause.

Wie war Eric als Gast?

Eric war ein toller Gast, so wie alle Jugendlichen, die hier untergekommen sind. Mit Eric hatten wir eine besondere Freude, denn er ist unheimlich lebensfroh, offen und hat sich große Mühe gegeben sich einzufinden und war total begeistert, in einem Zuhause zu sein. Eric schien mir unheimlich dankbar dafür, dass er hier bei uns sein durfte und hat sich sehr wohl gefühlt.

Gab es auch Probleme im Zusammenleben?

Nein, überhaupt nicht.

Unterscheiden sich die Ugander von den Deutschen?

Ich weiß nicht, ob wir uns unterscheiden. Ich kann nur sagen, dass ich Eric als sehr höflichen und hilfsbereiten Menschen kennengelernt habe. Mein Eindruck von ihm war auch, dass er Antworten im Glauben gesucht hat.

Mussten Sie sich umstellen als sie Eric zu Gast hatten?

Ein bisschen schon, ja. Das liegt daran, dass wir als Familie seit einiger Zeit vegetarisch leben und wir gehört haben, dass die ugandischen Jugendlichen sehr, sehr gerne Fleisch essen möchten. Dementsprechend haben wir uns als Familie für diese Woche umgestellt und Fleisch gegessen – manche aber auch nicht.

Welche Chancen sehen Sie für das Projekt und die Teilnehmer?

Das ist schwer einzuschätzen. Die Kinder und Jugendlichen, die hier an der IGS Eisenberg zu Gast waren, haben alle große Ziele für ihre Zukunft. Eric möchte nächstes Jahr zum Beispiel das Abitur machen und in Uganda Architektur studieren. Andere möchten Ärzte oder professionelle Tänzer werden. Ich wünsche ihnen von Herzen, dass sie diese Pläne, die sie haben, in der Zukunft auch umsetzen können.

Und umgekehrt: Welchen Chancen ergeben sich für die teilnehmenden Kinder von der IGS Eisenberg?

Ich hoffe, dass sie mitnehmen, dass man keinen Luxus braucht, um glücklich zu sein. Ich empfand es als unheimlich beeindruckend, dass die ugandischen Jugendlichen vor Lebensfreude gesprüht haben und so viel Freude verbreitet haben, obwohl sie aus ganz, ganz armen Verhältnissen kommen. Vielleicht bemerken die Kinder und Jugendlichen durch diese Begegnungen, wie wichtig es ist, eine liebende Familie zu haben und unsere Verhältnisse hier in Deutschland nicht als selbstverständlich anzusehen.

Waren Sie vor dem ersten Zusammentreffen aufgeregt?

Oh ja! Wir wussten, dass ein Junge kommt, aber natürlich stellt man sich Fragen: kommt ein netter Junge? Wie wird er sein? Wird es Schwierigkeiten geben? Verstehen wir uns alle miteinander? Klappt es organisatorisch, wer morgens das Bad nutzen kann? Das war am Anfang schon sehr aufregend, aber am gleichen Abend war es damit vorbei und es war einfach super.

Würden Sie diese Erfahrung auch weiterempfehlen?

Auf jeden Fall, ja. Denn man realisiert dadurch wirklich, dass es nicht auf materielle Dinge ankommt, sondern dass man glücklich ist und das ist das Wichtigste im Leben.

Was können wir von den Teilnehmern der Sosolya-Tanzgruppe lernen?

Naja, dass es nicht darauf ankommt, ob du das neueste Handy oder die teuersten Klamotten hast. Dass materielle Dinge nicht so im Vordergrund stehen. Auch wenn ihr als Schüler das vielleicht nicht so gerne hört, aber man darf froh darüber sein, zur Schule gehen zu können. Dass ihr lernen dürft, dass wir Arbeit haben und Geld verdienen, denn das alles ist nicht selbstverständlich. Dass wir genug zu essen haben, rückt für uns immer etwas in den Hintergrund, weil es für uns normal ist. Uns ist bewusst geworden, dass das für andere Menschen nicht normal ist und wir uns glücklich schätzen dürfen, dass es uns so gut geht.

Glauben Sie, dass Eric sich bei ihnen wohlgefühlt hat?

Ja, ich denke schon. Er hat auf uns den Eindruck gemacht. Außerdem haben wir seither noch regelmäßig Kontakt zu Eric.

Waren Sie traurig, als Eric ihre Familie wieder verlassen hat?

Ja, sehr sogar. Ich kann auch verraten, dass einige Tränchen geflossen sind. Das war schon nicht einfach, denn wir haben ihn eine Woche in unserer Familie aufgenommen und Eric ist ein Teil unserer Familie geworden. Daher war es schwierig für uns, ihn wieder gehen zu lassen. Wir wussten ja auch nicht, ob wir ihn nochmal sehen würden.

Welche Erwartungen hatten Sie vorher an den Besuch von Eric?

Erwartungen hatten wir keine, wir wollten einem Jugendlichen die Möglichkeit bieten, dass er sich während der Zeit an der IGS in einer Familie aufgenommen fühlt. Erhofft hatten wir uns, dass es uns als Familie wieder bewusst wird in welch glücklicher Situation wir uns befinden.

Möchten Sie unseren Lesern zu diesem Thema noch etwas mitteilen?

Ja, gerne. Wenn man die Möglichkeit hat an solch einem Projekt teilzunehmen, sollte man es ausprobieren. Auch, wenn man am Anfang vielleicht Zweifel hat, ob alles klappt, aber es ist nicht schwierig, jemanden für eine Woche aufzunehmen. Außerdem bringt diese Erfahrung auch eine Erweiterung der eigenen gedanklichen Grenzen mit sich. Man bekommt von den Jugendlichen sehr viel Dankbarkeit und Liebe zurück – deshalb kann ich nur empfehlen es selbst auszuprobieren.

 

Das waren unsere Fragen, wir bedanken uns bei Ihnen für Ihre Zeit und möchten uns verabschieden.

Das Interview wurde vorbereitet und durchgeführt von Lili, Merle, Evla, André, Theo, Noah, Noah, (Klasse 6) Tori, Sila (Klasse 8) und Paulina (Klasse 11). M. Sehn