Bericht: Vortrag von Erika Rosenberg zum Vermächtnis Oskar und Emilie Schindlers (Paulina Klein, MSS 12)

Am 16.12.2020 besuchte Erika Rosenberg die IGS Eisenberg und berichtete den Schülerinnen und Schülern der 12. Klasse von ihrer faszinierenden Freundschaft mit Emilie Schindler. Zudem erzählte sie hautnah von den Geschehnissen des Holocausts:

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Bericht: Vortrag von Erika Rosenberg zum Vermächtnis Oskar und Emilie Schindlers

Wir bedanken uns an dieser Stelle vielmals für die Ermöglichung des Vortrags bei der Ortsgruppe Kirchheimbodanden von Amnesty International, insbesondere bei Frau Bührmann-Dreste.

Der folgende Bericht stammt von Paulina Klein, MSS 12:

 

Am 16.12.2020 besuchte Erika Rosenberg die IGS Eisenberg und berichtete den Schülerinnen und Schülern der 12. Klasse von ihrer faszinierenden Freundschaft mit Emilie Schindler. Zudem erzählte sie hautnah von den Geschehnissen des Holocausts:

Erika Rosenberg ist Schriftstellerin, Dolmetscherin, Journalistin und Biografin von Oskar Schindler und Emilie Schindler. Sie wurde 1951 in Argentinien als Tochter jüdischer Deutscher geboren. Im Jahre 1936 flohen diese vor dem Holocaust über Paraguay nach Argentinien. Die 69-Jährige besucht häufiger Schulen und erzählt mit voller Leidenschaft und Hingabe über Emilie Schindlers besondere Persönlichkeit. Nebenbei hat sie im Zeitraum zwischen 1991 bis 2001 insgesamt 22 Überlebende der sogenannten „Schindler Liste“, mit eigenen Investitionen, interviewt.

Erika Rosenberg stieg mit einem sehr aussagekräftigen Zitat aus dem Buch "Der Sinn des Lebens" von Viktor Frankl in ihre Rede ein. Sie zitierte: „Man kann uns alles wegnehmen, aber nicht die Freiheit zu entscheiden". Damit versucht sie den jüngeren Schülerinnen und Schülern auf den Weg zu geben, dass jeder mit dem Herzen handeln soll. Ebenso ist sie davon überzeugt, dass es keine Zufälle gibt. Sie glaubt fest an das Schicksal, was sie mit ihrem Aufeinandertreffen mit Emilie Schindler weiter ausführt.

Intensive und langlebige Freundschaft: "Ich war direkt von Ihr überwältigt und sie zog mich direkt an. Ihre Augen sprachen zu mir!" berichtete Erika Rosenberg fesselnd. Für Sie war Emilie ein Charakter voller Mut, Unerschrockenheit und Gutmütigkeit. Im Jahr 1990 treffen Emilie und Erika das erste Mal aufeinander. Frau Rosenberg berichtet, dass sie direkt Sympathie füreinander empfanden und sie relativ schnell zu dem Entschluss kam, dass sie eine Biografie über diese tapfere und unerschrockene Frau schreiben möchte und wich somit von Ihrer ersten Intention, über die Einwanderung ihrer Eltern nach Argentinien zu berichten, ab. Sie verbrachten, abgesehen von der Recherche, noch elf weitere Jahre miteinander und Emilie wurde immer mehr wie eine Oma für Erika Rosenberg.

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Heldentaten: Emilie Schindler rettet mit ihrem Mann Oskar Schindler 1200 Juden vor dem sicheren Tod und sorgten zusätzlich dafür, dass viele geflüchtete Juden in ihrer Fabrik Zuflucht und Beschäftigung fanden. Im Jahr 1942 errichteten sie ein Lager, in dem viele Juden vor der Vergasung in Sicherheit gebracht wurden und für die Schindlers arbeiteten. Viele der Inhaftierten wurden umgebracht, wenn sie nicht durch ihre Arbeitskraft „wertvoll“ waren und mit Jugendlichen wurden groteske Versuche durchgeführt. Jedoch konnte sich Emilie noch einmal bewähren. Eines Abends rettete sie 100 Juden, welche in 4 Wagons untergebracht waren. Erika Rosenberg berichtete, dass schon 17 Juden erfroren waren und die anderen Leidensgenossen abgemagert und unter den sehr schlechten Umständen leiden mussten. Erika Rosenberg ergänzte, dass die aufgerissenen Augen, in die Emilie schauen musste, niemals mehr aus Ihrem Gedächtnis verschwanden.

Emilies taffe Art: Emilie hatte große Mitwirkung bei der Rettung und Unterbringung der Juden, obwohl Oskar Schindler nicht gerade als makelloser Ehemann zu jeder Zeit an ihrer Seite stand. Er verkörperte das Bild eines Frauenschwarms, trank und rauchte sehr gerne. Obwohl er Emilie des Öfteren betrog, liebte sie ihn sehr und beteuerte, dass nur der Tod sie scheiden könnte. Sie war als gesittete und organisierte Frau das komplette Gegenteil, womit sie den perfekten Gegenpart zu Oskar Schindler bildete. Durch Ihre Verschiedenheit, aber von großem Mut geprägte Art, schafften sie es als Retter vieler Menschen, in die Geschichte einzugehen.

Die Belohnung lag in weite Ferne: Auch bekannte Regisseure, wie Steven Spielberg, hatten großes Interesse Emilies und Oskars heldenhafte Geschichte zu verfilmen, um der Welt so ausführlich wie möglich über die wahren Geschehnisse Ihres Lebenslaufs zu berichten. Erika Rosenberg machte aber deutlich, dass der Film „Schindlers Liste" nicht ganz auf wahren Begebenheiten fußt und gewisse Unterschiede zu Ihren persönlichen Quellen aus erster Hand aufweist. Sie weist beispielsweise darauf hin, dass Emilie und Schindler niemals geschieden waren. Die falsche Darlegung Ihrer Beziehungsverhältnisse war auch der entscheidende Grund, weshalb Emilie letztendlich keinen Anspruch auf ihren Anteil der Filmeinnahmen hatte. Somit bekamen beide zwar keine finanzielle Belohnung, jedoch werden sie aufgrund ihrer mutigen und erstaunlichen Taten niemals in Vergessenheit geraten. Durch solche Erzählungen, wie sie Erika Rosenberg vorträgt, wird uns nähergebracht, welche unerträglichen Umstände damals herrschten und welche Gefahr die Schindlers auf sich nahmen, um die Rettung tausender Menschen zu ermöglichen. Erika bezeichnet Emilie und Oskar Schindler deshalb liebevoll als "Unbesungene Helden".

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Meine Meinung: Für mich, und wahrscheinlich viele andere meiner Mitschüler, war Erika Rosenbergs Besuch eine Bereicherung mit vielen faszinierenden Informationen über Oskar Schindler, den Holocaust, aber auch ganz speziell Emilies Persönlichkeit. Erika Rosenberg berichtete mit voller Leidenschaft und Faszination über Ihre Freundschaft mit Emilie. Zusätzlich erfuhr man, durch Ihre Lesungen aus ihrem eigenen Buch, erschreckende Erzählungen aus Emilies Perspektive, die sehr berührend waren. Erika schuf solch eine Vertrautheit zu den zwei berühmten Persönlichkeiten, was mich persönlich sehr fesselte. Neben Ihrer spannenden Erzählung, tritt sie sehr sympathisch und herzlich auf. Für mich erwies sich dieser Tag als sehr informativ und ich bin sehr dankbar, dass wir die Möglichkeit hatten, durch Erikas Erzählungen, noch einen tieferen Einblick in die damalige Zeit zu bekommen.

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